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Stiftung Ruedi Josuran
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Es war am 3. Januar 2011-der Anruf auf mein Handy erfolgt um 0432. Am
anderen Ende ein unbekannter. Er heisst Marco S. Seine Stimme auf der
Combox klingt müde, kraftlos, verzweifelt. Seine Aussage ist
unmissverständlich: seit 5 Wochen koste es ihn unglaublich viel Energie
das Bett zu verlassen. Der Gedanke an den kommenden Arbeitstag lasse ihn
jeden Mut verlieren.
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„Versöhnt sein-mit anderen und sich selbst-gibt ein Mehr an Lebensqualität“. Eine Aussage, die das Kern-Anliegen unserer Stiftung auf den Punkt bringt. Ein Satz aus dem neuen Buch: „Was wirklich zählt, ist das gelebte Leben. Die Kraft des Lebensrückblicks“. Autorin ist Verena Kast. Eine der bekanntesten Psychologinnen und erfolgreiche Beststeller-Autorin.
In Coaching-Gesprächen geht es oft um Scheitern, um Schuld, um depressive Grundstimmungen und Antriebslosigkeit. Viele fühlen sich häufig als im Leben „zu-kurz-Gekommene“. Deshalb leiden sie meist auch unter einem schwachen Selbstwertgefühl, das besonders auf die mit der eigenen Leistungsfähigkeit verbundene Anerkennung angewiesen ist („Ich bin, was ich leiste“). Jede Gefährdung der Leistungsfähigkeit bedroht ihr Selbstwertgefühl. Und letztlich auch die Lebensqualität. Zu oft werden in der Arbeitswelt die Warnsignale des Körpers nicht ernst genommen. Man will sie nicht wahrhaben. Man will sich den eigenen Grenzen nicht stellen. Zunächst geht man davon aus, mit ein bisschen mehr Willens-Anstrengung würde es schon gehen. Nicht wenige können irgendwann nicht mehr. Sie fühlen sich gescheitert, aus dem Kreis der Gesunden ausgeschlossen, an den Rand gedrängt.
Mit diesem Blog möchten wir Mut machen. Mut sich dem Leben zu stellen. Mehr zu sich selber zu stehen. Mut zu einem besseren Umgang mit sich und anderen.
Mut, im Einklang mit sich selbst zu sein. Und es auch den anderen zu erlauben.

19 Jahre lang war Thomas Zeltner Direktor des Bundesamtes für Gesundheit. Der Tages Anzeiger fragte ihn nach seiner grössten Niederlage während dieser Amtszeit.
Zeltner: "Dass es uns nicht gelungen ist, die psychischen Krankheiten so ernst zu nehmen wie die körperlichen. Die Gesellschaft nimmt psychisch kranke Menschen immer noch weniger wahr, der Rechtfertigungsdruck ist immer noch höher". Wie wahr.
Was für ein Druck, wenn man nichts zeigen kann, nichts messbares vorweisen kann. Und trotzdem leidet.
Es können Monate vergehen, bis eine Diagnose feststeht. Oft wird der Arzt gewechselt. Die Symptome werden noch dramatischer beschrieben, als bisher. Niemand möchte als wehleidig abgestempelt werden. Ein Teufelskreis beginnt. Eine oft wochenlange Arzt-Odyssee ist die Folge. Ohne Therapie-Erfolg, dafür mit sich verstärkendem Leidensdruck.
Die Angst vor dem Stigma "Psychisch krank" beginnt. Nur die Hälfte derer, die an einer Depression erkranken, gehen zum Arzt. Dabei wäre eine frühe Intervention oft für den weiteren Verlauf entscheidend.
"Solange Du nachweisen musst, dass Du krank bist, kannst Du nicht gesund werden"-diese Zitat-Tafel steht im Warteraum einer mir bekannten Psychiaterin. Per Mail oder am Telefon höre ich jede Woche von Betroffenen und Angehörigen, dass viele Depressionen gar nicht oder zu spät erkannt werden. Wenn sie dann endlich erkannt worden sind, dauert es lange bis die Therapie-Massnahmen greifen. Auch reagiert die Umgebung-oft aus Unwissenheit-immer wieder mit Ablehnung, Unverständnis, Verharmlosung oder neuen Vorwürfe. Das Schlimmste:  es fällt dem Betroffenen selbst schwer, die Diagnose zu akzeptieren. Viele suchen die Schuld bei sich, glauben nur "willensschwach zu sein, aber nicht krank".
Mit unserer Stiftung wollen wir die Oeffentlichkeit für solche Themen-Bereiche sensibilisieren. Aufklärung ist ein zentraler Punkt der Gesundheits-Prävention im psychischen Bereich.
Uebrigens: auch der eingangs erwähnte Thomas Zeltner betätigt sich inzwischen als Botschafter unserer Stiftung.

Es kann nicht sein. Das war schon beim Tod von Bundesliga-Goalie Robert Enke bei den meisten der erste Impuls.
Enke verschwieg jahrelang seine Versagensängste und Depressionen. Im November 2009 nimmt er sich das Leben.
Es kann nicht sein, dass sich eine Frau wie Kirsten Heisig das Leben nimmt. Das war meine Reaktion. Eine starke, energische Frau, Deutschlands bekannteste Jugendrichterin.
DIE ZEIT schreibt über ihren Tod: „es gibt Gefährdungen, gegen die kein Polizeischutz hilft“.
Und es bleibt die Frage: Wie konnte das sein? Etwas will da partout nicht zusammenpassen. Das unerschrockene Äussere, der Humor, die scheinbar nie versiegende Energie. Und daneben die verzweifelte Labilität einer Frau, die nicht mehr kann. In neuesten Berichten heisst es, die Richterin habe schon länger unter Depressionen gelitten, habe psychiatrischen Beistand gehabt, in der Familie habe es Spannungen gegeben.
Es kann nicht sein-denke viele auch bei den aktuellsten Meldungen aus dem Tennis-Lager. Es geht um den US Open Sieger 2009: Juan Martin Del Potro.
Der Argentinier wirkt seit Monaten müde, ohne Motivation, ohne Antrieb. Beobachter der Tennis-Szene und Weggefährten Del Potros sagen es inzwischen nicht nur unter vorgehaltener Hand: der Mann hat Depressionen.
Er wäre nicht der einzige Profi mit Psychischen Problemen. Laut einer Studie der Universität Tübingen, fühlt sich jeder zweite Leistungssportler durch die extremen Anforderungen immer wieder ausgebrannt und kraftlos. Fast ein Drittel leidet an Schlafstörungen. Jeder Fünfte klagt über Depressionen. Der Sportpsychologe Lothar Linz sagt im SPIEGEL:“ Es gibt immer wieder Sportler, die dem Druck von Fans und Medien und den eigenen Erwartungen nicht umgehen können. Keiner darf Schwäche zeigen-es ist wie in den Top-Etagen der Wirtschaft.“
 
Es bedarf offenbar solcher furchtbaren Ereignisse, um Betroffenheit, Anteilnahme und Aufmerksamkeit zu erlangen. Leider sind psychische Erkrankungen immer noch mit einem Tabu belegt: Die Betroffenen verschweigen ihre Probleme lieber aus Angst vor Ächtung, die Gesellschaft schaut aus vielen Gründen lieber weg. Wir mit unserer Stiftung möchten hinschauen- und helfen.

Ich treffe sie immer wieder. Menschen, die sie erlebt haben. Die unsichtbare Krankheit. Eine der eindrücklichsten Schilderungen dieses Leidens war im Berner „Bund“ nachzulesen. Es geht um Josef Engler (Name geändert). Bei ihm wusste man, dass alles in guten Händen war, seine Gewissenhaftigkeit und sein Fleiss waren beispielhaft. Engler wäre es nie in den Sinn gekommen, Nein zu sagen. Schliesslich erhielt er Anerkennung für das, was er leistete – und diese Anerkennung war sein Antrieb. Heute, nach allem, was geschehen ist, sagt der 52-Jährige: «Ich habe nie unterschieden zwischen mir und meinen Aufgaben. Ich war nicht ich – ich war mein Job; dafür habe ich mich aufgeopfert.» Die häufigen Schwindelgefühle und Migräneanfälle empfand Engler als lästige Unterbrechungen. Er ignorierte sie, solange es ging, oft brauchte er Medikamente, «um die Sache in den Griff zu bekommen». Seine Leistung wurde dadurch nicht beeinträchtigt. Mitte der Neunzigerjahre erbte Engler eine neue Funktion an der Schnittstelle zweier Informatiksysteme, er arbeitete mal in Ostermundigen, mal in Freiburg. Ende der Neunzigerjahre kam es zur grossen Reorganisation, Engler hätte nach Bern wechseln müssen. Da er dort keine Perspektiven sah, wechselte er nach 13 Jahren in eine neue Abteilung, die sich um die Sicherheit der Grossrechner kümmerte. «Die neue Arbeit stellte hohe Ansprüche», sagt Engler lakonisch, «ich selber legte die Messlatte mit meinem Perfektionismus aber noch viel höher.»
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